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Ein Blog über Web-Apps, Cross-Platform-Software und bewusste Nutzung im Alltag.

🌐 Proton im Test: Als der Dienst ausfiel – und warum ich trotzdem nicht voreilig kündige

🌱 Zwei Nachrichten an einem Morgen

Am Morgen des 27. August habe ich wie üblich meine Mails gecheckt, ein paar Termine im Kalender bestätigt und mich an einen Artikelentwurf gesetzt, der in Standard Notes lag. Alles funktionierte. Kein Fehler, keine Verzögerung, keine Auffälligkeit. [Mehr dazu hier: ✍️ Warum ich heute auf Standard Notes setze – und nicht mehr auf Notion, Keep oder OneNote] Erst Stunden später, als ich im Netz vorbeischaute, habe ich zwei Dinge erfahren: In der Nacht zuvor waren sämtliche Proton-Dienste weltweit ausgefallen, und Proton hat eine Roadmap für die zweite Hälfte von 2026 veröffentlicht — darunter endlich ein ordentlicher Ordner-Sync für macOS.

Kurz nach Mitternacht am 27. August hatte eine kritische Kühlstörung im Frankfurter Rechenzentrum dafür gesorgt, dass Proton Mail, Calendar, Drive, Pass, Docs, Wallet, SimpleLogin und auch Lumo gleichzeitig nicht erreichbar waren. Nur Proton VPN funktionierte bei einigen Nutzern noch eingeschränkt. Gegen zwei Uhr vormittags waren die Dienste wiederhergestellt.

Die Roadmap klang gut: Wer auf dem Mac arbeitet, soll bald beliebige Ordner für die Synchronisation auswählen können — genauso wie unter Windows. Das Feature fehlte bisher am meisten. Ich habe das gelesen und gedacht: Wenn das kommt, kann ich vielleicht mein iCloud-Abo kündigen. [Mehr dazu hier: 🍎 Warum ich heute überwiegend Apple nutze, obwohl ich das lange nicht geplant hatte]

Aber der Ausfall hat mich zum Zögern gebracht.


📝 Warum dieser Artikel überhaupt entsteht

Wenn du meinen Blog seit einiger Zeit verfolgst, weißt du, dass ich mich schrittweise zu einem verschlüsselten Ökosystem entwickelt habe, das ich im Alltag nutzen kann, ohne ständig an Datenschutz zu denken. Von Proton Mail über Calendar bis hin zu Drive und Docs — jedes Jahr kommt dank neuer Features der nächste Baustein dazu.

Jetzt, wo die Diskussion auf den bekannten Plattformen hochgekocht ist und ich selbst mit konkreten Plänen für eine weitere Migration sitze, frage ich mich, was Stammleser von mir erwarten. Nach all den Empfehlungen, nach all den positiven Erfahrungen, die ich geteilt habe — was denke ich eigentlich dazu, wenn plötzlich der Dienst ausfällt, den ich selbst täglich nutze? Darauf schuldig zu bleiben, fände ich gegenüber euch nicht fair.

⚡ Was ich in der Vergangenheit schon erlebt habe

Bei anderen Anbietern habe ich mich schon richtig geärgert, als Ausfälle meinen Arbeitstag durcheinandergebracht haben. Als Angestellter hatte ich bei Google Mail und M365 Ausfälle erlebt, bei denen ich mich richtig aufgeregt habe — wenn beruflich wichtige Nachrichten nicht ankamen oder Termine nicht synchronisierten, war das kein abstraktes Problem, sondern es hatte direkte Auswirkungen auf meinen Arbeitsalltag.

Bei Proton gab es in den letzten Jahren auch mehrere kürzere bzw. kleinere Ausfälle, und da war ich betroffen. Mal dauerte es fünf Minuten, mal zehn. Bei einem dieser Fälle habe ich als Privatperson eine Bewerbung über Proton Mail verschicken müssen und war nervös, ob die Mail auch wirklich ankommt. In so einem Moment, wenn etwas auf dem Spiel steht, denkst du auch emotional darüber nach, den Dienst sofort zu kündigen und zu wechseln.

Dieses Mal hatte ich einfach Glück, weil der Ausfall passierte, während ich schlief und ich nicht direkt getroffen wurde. Das lag nicht an einer klugen Vorkehrung meinerseits, sondern am Zufall der Uhrzeit.

🔍 Was mir an der Diskussion aufgefallen ist

Was mir beim Lesen der Kommentare aufgefallen ist, ist die Neigung, den Ausfall entweder kleinreden zu wollen oder zum Anlass für eine grundsätzliche Abrechnung zu machen. Beides finde ich nicht hilfreich.

Einige Nutzer sagen, zwei Stunden Ausfall seien nichts im Vergleich zu dem, was Proton an Datenschutz und Verschlüsselung biete. Andere sehen darin den Beweis, dass man sich nicht auf einen einzigen Anbieter verlassen sollte. Wieder andere nutzen den Vorfall, um grundsätzlich über die Abhängigkeit von einem Ökosystem nachzudenken.

Solche Diskussionen kenne ich von anderen IT-Themen — auf heise.de, bei Caschys Blog oder auf golem.de laufen die Kommentare ähnlich, wenn ein großer Dienst ausfällt. Ich habe dieses Mal zufällig zuerst auf Reddit davon gelesen, aber die Reaktionen wären überall dieselben gewesen.

Ich kann diese Positionen nachvollziehen, aber keine davon beschreibt meine Lage, und das liegt nicht daran, dass die Argumente schlecht wären, sondern daran, dass sie von anderen Voraussetzungen ausgehen als den meinen. Bei Proton habe ich bewusst einen Wechsel weg von Big Tech vorgenommen — auch nach Erfahrungen, die ich bei Google und Microsoft gemacht habe, wo die Ausfälle oft länger dauerten und weniger transparent mitgeteilt wurden. Der aktuelle Ausfall ist nicht das erste Mal, dass etwas schiefgeht, und es wird nicht das letzte Mal sein, aber er ist anders als die Erfahrungen, die mich damals zur Kündigung bei den großen Anbietern bewogen haben.

⚖️ Wie ich Proton nutze

Ich nutze Proton in zwei Kontexten: privat über einen Duo-Plan mit Lumo als Zusatzoption, und für mein Hobby-Blogging über einen weiteren Duo-Plan für Content Creation. [Mehr zu Lumo: 🧭 Lumo 2.0 im Praxistest – reicht es jetzt als alleinige Lösung?] Proton Mail ist meine Haupt-Mail-Adresse für beide Bereiche. Calendar organisiert meine privaten Termine. Drive hält Dateien von Privat und Content Creation als Klone der iCloud-Inhalte. Pass verwaltet meine Passwörter. Docs nimmt meine finalen Artikelentwürfe als Archivversion auf. Meine Entwurfsversionen liegen in Standard Notes, das mittlerweile zu Proton gehört, aber nicht sehr stark ins Ökosystem integriert wurde. Es ist mein Second Brain E2EE, wenn man so will.

Wenn all das gleichzeitig ausfällt, ist das prinzipiell ein Problem. In der Praxis hing die Auswirkung für mich aber davon ab, wann der Ausfall passierte — mitten in der Nacht, während ich schlief. Ich habe keine wichtige Mail verpasst, keinen Termin verpasst, keinen Zugriff auf Passwörter benötigt, die ich nicht auch lokal gespeichert hätte.

🔌 Was offline funktioniert — und was nicht

Wichtig: Proton Pass kann ich offline verwenden. Das wurde mehrfach von Proton bestätigt, und ich habe es selbst getestet — es klappt. Ich muss also bei einem Ausfall nicht auf meine gespeicherten Zugänge verzichten. Das ist ein Unterschied, den du dir merken solltest, falls du Proton Pass nutzt und dich bei Ausfall-Szenarien fragst, ob du noch an deine Zugänge kommst.

Auch die Dokumente für meine Reise in ein südostasiatisches Land habe ich normalerweise offline auf meinen Geräten vorhalten können. Aber manchmal vergisst man etwas. Dann habe ich meine Airalo-Reise-eSIM parat und kann im Idealfall am Flughafen mit mobilem Internet auf Proton Drive zugreifen, wo ich alles ablege. Dann muss es aber auch verfügbar sein — was hier für eine Zeit nicht der Fall war.

🏢 Warum es für mich nicht dasselbe bedeutet wie für ein Business

Wenn ich ein Kleinunternehmen führen würde, das um zwei Uhr nachts noch Kundenanfragen bearbeitet oder auf zeitkritische Nachrichten wartet, sähe das anders aus. Ein zweistündiger Totalausfall aller Dienste — inklusive Mail — wäre dann nicht einfach ein Ausrutscher, sondern ein echtes Problem. Proton selbst kommuniziert auf seiner Geschäftsseite, dass Verfügbarkeit für Business-Kunden ein anderes Gewicht hat, und das ist nachvollziehbar.

Für Business-Nutzer kann so ein Ausfall echte Folgen haben — verpasste Angebote, unterbrochene Abläufe, Vertrauensverlust bei eigenen Kunden. Bei privater Nutzung sind die Auswirkungen meist überschaubarer, aber das macht die Business-Perspektive nicht weniger legitim. Wenn du hauptberuflich auf Proton angewiesen bist, hast du eine andere Verantwortung als ich als Blogger und Privatnutzer, und deine Reaktion auf diesen Ausfall darf anders ausfallen als meine.

Aber es gibt auch jenseits von Business-Szenarien Momente, in denen Verfügbarkeit zählt — und genau da setzt meine eigene Planung an.

🔄 Was der Ausfall mit einem anderen Plan macht

Ich plane eine Reise in ein südostasiatisches Land. Zeitangaben spare ich mir hier aus Gründen, die sich aus meiner Adresse im Impressum erschließen. Für diese Reise brauche ich Dokumente, die ich im Notfall schnell zur Hand haben muss: Einreisebestätigungen, Versicherungsnachweise und ähnliche Unterlagen, die digital verfügbar sein sollten, bevor ich am Flughafen ankomme.

Bis vor kurzem habe ich solche Dokumente in iCloud abgelegt. Die Synchronisation funktioniert zwischen meinen Geräten, und der Zugriff ist auch unterwegs zuverlässig. Aber ich wollte eigentlich weitergehen: Proton Drive ist verschlüsselt, unter Schweizer Recht und Teil des Ökosystems, dem ich vertraue. Die kommende Sync-Funktion für macOS wäre der letzte Baustein gewesen, um iCloud komplett abzuschreiben.

Dann kam der Ausfall, und Proton Drive war ebenso lange offline wie alle anderen Dienste. Die Roadmap klang gut, aber sie half mir nicht, eine Frage zu klären, die plötzlich konkreter wurde: Was, wenn ich genau in dem Moment die Dokumente bräuchte — und Proton Drive nicht erreichbar ist?

Ich kündige iCloud deshalb nicht heute. Nicht weil ich Proton Drive nicht vertraue, sondern weil der Ausfall mir gezeigt hat, dass ich alle Daten bei einem Anbieter erst bündeln werde, wenn Ausfälle so selten sind, dass ich mir keine Sorgen machen muss. So weit ist es noch nicht, und das wäre vielleicht auch ein Gedanke, den du dir mal durchdenken solltest, wenn du überlegst, deine Daten zu zentralisieren.

🧱 Warum ich trotzdem dabei bleibe

Ich habe mich vor längerer Zeit bewusst für Proton entschieden, weil ich ein verschlüsseltes Ökosystem wollte, das ich im Alltag nutzen kann, ohne ständig an Datenschutz zu denken. Proton bietet das — nicht perfekt, aber gut genug, dass ich es tagtäglich verwende und dabei nur selten an Grenzen stoße.

Der Ausfall ändert daran nichts. Nicht, weil ich ihn ignoriere, sondern weil er für meine private Nutzung kein relevantes Problem war. Wenn Ausfälle häufiger würden oder Proton nicht mehr vernünftig darüber informieren würde, sähe das anders aus. Ein einzelner, kurzer Totalausfall in der Nacht, verursacht durch eine Infrastrukturstörung, der innerhalb von zwei Stunden behoben wurde — das ist für mich kein Grund, eine Entscheidung zu überdenken, die sich über Monate im Alltag bewährt hat.

In meinem Blog habe ich mehrfach geschrieben, dass ich aufgehört habe, das perfekte Produkt zu erwarten. Proton ist kein perfekter Dienst, sondern ein bewusst gewählter Kompromiss. Ich nutze die Vorteile eines geschlossenen, verschlüsselten Ökosystems und nehme dabei in Kauf, dass ein mittelständischer europäischer Anbieter nicht die Ausfallsicherheit eines Google oder Microsoft vorhalten kann.

Die Alternative wäre gewesen, zu den großen US-Anbietern zurückzukehren — und die Erfahrungen, die ich dort gesammelt habe, zeigen mir, dass die Ausfälle dort mindestens genauso ärgerlich waren, die Information darüber aber weniger transparent ausfiel. Bei Proton sehe ich auf der Status-Seite, was passiert, wo das Problem liegt und wann es behoben wird. Ob das für jeden schon reicht, musst du für dich entscheiden, aber für mich ist das ein Unterschied, der zählt.

🧾 Wo ich ehrlich bleiben will

Es wäre einfach, jetzt so zu tun, als sei der Ausfall völlig bedeutungslos. Das stimmt für mich, aber nicht für jeden.

Ich kann mir Situationen vorstellen, in denen mich ein solcher Ausfall hart getroffen hätte — wenn ich etwa kurz vor einer Deadline auf einen Artikelentwurf in Proton Docs zugreifen müsste, oder wenn meine lokale Kopie von Proton Pass nicht griffbereit wäre. Die Tatsache, dass es mich nicht getroffen hat, liegt nicht an einer klugen Vorkehrung meinerseits, sondern am Zufall der Uhrzeit. Das ist unbequem, aber es ist die Wahrheit.

Und die Reiseplanung hat mir gezeigt, dass es nicht nur um den aktuellen Ausfall geht. Es geht darum, dass ich einen weiteren Schritt zum vollständigen Proton-Setup erst gehen werde, wenn die Zuverlässigkeit stabiler ist. Ich kündige nichts, aber ich pausiere eine Migration.


💭 Eine zeitgebundene Einschätzung

Ich bleibe bei Proton. Nicht blind und nicht aus Pflichtgefühl, sondern weil die Gesamtbilanz nach mehreren Jahren täglicher Nutzung positiv bleibt.

Was sich aber verschoben hat, ist mein Blick auf das Tempo, in dem ich weitere Dienste dorthin migriere. Die Roadmap für Proton Drive sieht gut aus, und die Sync-Funktion unter macOS wird kommen. Aber ich werde sofort testen, sobald die freie Ordner-Wahl für die Synchronisierung funktioniert und ich einen kompletten lokalen Spiegel stetig auf eine meiner HDDs synchronisieren kann. Wenn das sagen wir einen Monat lang gut läuft, werde ich wohl iCloud deabonnieren.

Der entscheidende Unterschied zum jetzigen Zustand: Wenn Proton Drive mal ausfällt, habe ich alles in meinem lokalen Spiegel auf der HDD im Zugriff. Das ist das Gute am 3-2-1-1-Backup-Konzept. Nur habe ich die HDD nicht immer mit dabei. Und genau in dem Moment, wenn ich sie nicht dabei habe und auf die Cloud angewiesen bin, war der heutige Ausfall real — und ich war ohne Zugriff.

Ob ich in zwei Jahren genauso darüber denke, weiß ich nicht — Proton wird weiter Ausfälle haben, und ich werde weiter abwägen, ob das Gesamtpaket für mich stimmt. Heute tut es das, mit einem klaren Kriterium, das erst erfüllt sein muss, bevor ich den nächsten Schritt gehe.


Quellen

Proton Status-Seite (Vorfall-Historie):
https://status.proton.me/history

1. Reddit Post: Proton services are all down except the VPN (Diskussionsthread zum Ausfall):
https://www.reddit.com/r/ProtonMail/comments/1vzbdr1/proton_services_are_all_down_except_the_vpn/

2. Reddit Post: Proton cooling failure in FRA (zweiter Thread zum Vorfall):
https://www.reddit.com/r/ProtonMail/comments/1vzcchv/proton_cooling_failure_in_fra

3. Reddit Post: Proton Drive Roadmap for the second half of 2026 (offizieller Proton-Post):
https://www.reddit.com/r/ProtonDrive/comments/1vyy38c/proton_drive_roadmap_for_the_second_half_of_2026/

CyberInsider: Proton suffers major data center outage, says no user data was lost:
https://cyberinsider.com/proton-suffers-major-data-center-outage-says-no-user-data-was-lost

Data Center Dynamics: Privacy-focused email service Proton goes down after cooling failure in Frankfurt data center:
https://www.datacenterdynamics.com/en/news/privacy-focused-email-service-proton-goes-down-after-cooling-failure-in-frankfurt-data-center

Proton Business: Business Continuity (Availability für Business-Kunden):
https://proton.me/business/blog/business-continuity-survey


Über den Autor

Hi! Ich bin Marcel. IT-Projektmanager aus Hamburg und Blogger seit 2018. Ich helfe anderen mit Erfahrungen zu Web-Apps und Cross-Platform-Software. Mehr über mich · Blog unterstützen

Hinweise: Bei den kursiv geschriebenen Wörtern kann es sich um eingetragene Marken oder Firmen handeln (z.B. Apple, Fedora, Google). Die Nutzung erfolgt ausschließlich zu Vergleichszwecken.

Transparenz: Ich nutze KI-Tools (z.B. Proton Lumo, DeepL Write Pro) zur schnelleren Inhaltserstellung und Optimierung. Für Bilder nutze ich Envato Elements und Tools wie Canva, Affinity und GIMP.


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