My Apps unleashed DE

Ein Blog über Web-Apps, Cross-Platform-Software und bewusste Nutzung im Alltag.

🏠 Warum ich bewusst auf Selbsthosting verzichte

❓ Eine naheliegende Frage

In den vergangenen Monaten habe ich hier häufiger über europäische Cloud-Dienste, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und Alternativen zu den großen Plattformen geschrieben. Dabei ging es sowohl um bekannte Angebote von Google, Microsoft oder Apple als auch um kleinere Dienste, die bei Datenschutz und Verschlüsselung andere Schwerpunkte setzen.

Ein großer Teil dieser Anwendungen läuft in der Cloud. Wenn du meine Artikel schon länger verfolgst, könnte deshalb eine Frage auftauchen: Warum hoste ich manche dieser Dienste nicht einfach selbst?

Immich 3.0 gibt dieser Frage gerade einen konkreten Anlass. Die Software hat sich zu einer umfangreichen Fotoverwaltung entwickelt, die auf eigener Hardware betrieben werden kann. Wer seine Bilder nicht bei einem klassischen Cloud-Anbieter speichern möchte, findet darin eine ernst zu nehmende Alternative zu Diensten wie Google Fotos, Apple Fotos, Ente Photos oder zeitkapsl.


🤔 Warum Selbsthosting zu meinem bisherigen Weg passen könnte

An meiner Fotosammlung lässt sich gut erklären, warum die Frage berechtigt ist. Nach Google Fotos habe ich zunächst Ente Photos genutzt und bin später zu zeitkapsl gewechselt. Parallel läuft bei mir ein Langzeittest mit Apple Fotos. Die Dienste unterscheiden sich deutlich, doch bei allen beschäftige ich mich damit, welchem Anbieter ich meine Bilder anvertraue und welche Kompromisse ich dabei akzeptiere.

Auf den ersten Blick könnte Selbsthosting gut zu diesem Weg passen. Statt zwischen verschiedenen Anbietern, Standorten und Verschlüsselungsmodellen abzuwägen, würde ich die Anwendung auf eigener Hardware betreiben und hätte mehr Kontrolle darüber, wo meine Daten liegen.

Immich zeigt, wie weit dieser Ansatz vorangeschritten ist. Die Lösung bietet mittlerweile viele Funktionen, die man sonst von großen Fotodiensten kennt, ohne dass die eigene Sammlung zwingend bei einem dieser Anbieter liegen muss. Die Frage, ob das nicht der passende nächste Schritt wäre, habe ich mir deshalb schon mehrfach gestellt.

⚙️ Die eigentliche Arbeit beginnt nach der Installation

Selbsthosting wirkt zunächst oft überschaubar. Für Anwendungen wie Immich oder Nextcloud gibt es Anleitungen, vorgefertigte Container und eine aktive Community. Die Installation kann dadurch den Eindruck vermitteln, der schwierigste Teil sei bereits erledigt. Doch eine selbst gehostete Anwendung soll nicht nur an einem Wochenende funktionieren.

Dauerhaft müsste ich mich um mehrere Ebenen kümmern:

  • den Host und die darauf laufenden Anwendungen aktuell halten
  • Router und Firewall sinnvoll absichern
  • einen sicheren Zugriff von unterwegs bereitstellen, etwa über ein VPN
  • Probleme zwischen Server, Anwendung und Clients eingrenzen
  • Ausfälle erkennen und die Umgebung im Notfall wiederherstellen

Das sind keine Aufgaben, die nach der Einrichtung verschwinden. Ein Update kann neue Probleme verursachen, eine Konfiguration muss angepasst werden, und Sicherheitslücken verlangen manchmal eine schnelle Reaktion. Hinzu kommt die Frage, ob ich überhaupt rechtzeitig bemerke, wenn ein Dienst nicht mehr richtig läuft oder von außen erreichbar ist, obwohl er es nicht sein sollte.

Ich könnte mir das nötige Wissen aneignen. Der entscheidende Punkt ist nicht, ob ich dazu technisch in der Lage wäre. Dieses Wissen müsste ich dauerhaft pflegen und regelmäßig Zeit für den Betrieb reservieren. Aus einem Werkzeug, das mir eine Aufgabe abnimmt, würde damit ein eigenes Projekt.

🛡️ Datensicherheit hört nicht beim Server auf

Die Speicherung auf eigener Hardware löst außerdem nicht automatisch die Frage, wie sicher meine Daten dort liegen. Ein Server zu Hause schützt nicht vor einem defekten Datenträger, versehentlich gelöschten Dateien oder einem Fehler, der unbemerkt auch Sicherungen beschädigt.

Dazu kommen Ereignisse, die selten sind, aber trotzdem berücksichtigt werden müssen. Ein Brand, ein Wasserschaden oder ein Blitzeinschlag kann nicht nur den Server treffen, sondern auch die Datenträger, die danebenliegen. Spätestens dann reicht es nicht, die Daten lediglich im eigenen Haus zu behalten.

Ich nutze deshalb kein klassisches NAS als zentralen und einzigen Speicherort. Mein Mac mini M4 stellt zwar Dateien im Heimnetz bereit und sichert Daten zusätzlich in die Cloud, er ist aber nie der einzige Ort, an dem diese Dateien liegen. Mehr dazu z.b. in meinem Artikel: ☁️ Warum ich meinen Cloudspeicher nicht mehr nur nach Datenschutz auswähle.

Mein Backup-System orientiert sich am 3-2-1-1-Prinzip und geht in einigen Punkten darüber hinaus. Dazu gehören:

  • zwei voneinander unabhängige Cloudspeicher
  • mehrere externe SSDs
  • mehrere HDDs
  • eine weitere Festplatte, die ungefähr einmal pro Quartal bei meinem Bruder aufbewahrt wird

Der Aufbau ist umfangreicher als eine einzelne Sicherung auf einem NAS. Er verfolgt aber ein konkretes Ziel: Ein einzelner Defekt oder ein Schaden bei mir zu Hause darf nicht über den Erhalt meiner gesamten Fotosammlung und anderer wichtiger Dateien entscheiden.

Selbsthosting würde dieses Konzept nicht ersetzen. Ich müsste zusätzlich die Anwendung, ihre Datenbank, ihre Konfiguration und möglicherweise weitere Bestandteile so sichern, dass ich sie nach einem Ausfall wiederherstellen kann. Ein Backup der Bilddateien allein genügt nicht unbedingt, wenn Alben, Zuordnungen oder andere Informationen später fehlen.


🤝 Ein Hoster nimmt mir nicht alle Entscheidungen ab

Wenn dir ein eigener Server zu aufwendig erscheint, liegt bei Nextcloud eine gehostete Lösung nahe. Verschiedene Anbieter übernehmen dabei den Betrieb der Infrastruktur, kümmern sich um Updates und reduzieren damit einen großen Teil der technischen Arbeit.

Bei persönlichen Dokumenten und anderen sensiblen Dateien bleibt jedoch die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung entscheidend. Der bisherige Stand bei Nextcloud überzeugt mich in diesem Punkt nicht. Die Funktion wird zwar unterstützt, wirkt aber für meinen Anspruch an einen einfachen und verlässlichen Betrieb noch zu problembehaftet.

Eine gehostete Nextcloud kommt für mich deshalb nur infrage, wenn die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung einwandfrei und ohne ständige Sonderbehandlung funktioniert. Solange das nicht der Fall ist, würde ich erneut einem Anbieter vertrauen müssen, ohne dass meine Daten bereits auf meinem Gerät so verschlüsselt werden, wie ich es von anderen Diensten kenne.

Eine bessere Umsetzung der Verschlüsselung würde allerdings nur diesen einen Einwand ausräumen. Beim Betrieb auf eigener Hardware blieben Router, Firewall, Updates, Backups, Wiederherstellung und der laufende Zeitaufwand bestehen. Selbst wenn Nextcloud diesen Teil künftig überzeugend löst, wäre mir der Aufwand des Selbsthostings nach wie vor zu hoch.

⏰ Wofür ich meine Freizeit einsetzen möchte

Mein Blog ist ein Hobby. Gerade deshalb behalte ich im Blick, wie viel Zeit ich dafür aufwende. Ich erfasse diesen Aufwand nicht, um jede freie Minute zu optimieren, sondern damit das Bloggen etwas bleibt, das mir Freude macht und in meinen Alltag passt.

Selbsthosting würde eine neue, dauerhaft wiederkehrende Aufgabe hinzufügen. Updates, Wartung und Fehlersuche ließen sich nicht einfach für einige Wochen pausieren, wenn beruflich oder privat weniger Zeit vorhanden ist. Die Infrastruktur müsste trotzdem weiterlaufen und sicher bleiben.

Wenn du gern an einem Heimserver arbeitest, kann genau dieser Teil ein interessantes Hobby sein. Manche bauen ihre Umgebung über Jahre aus und haben Freude daran, neue Dienste einzurichten oder ihre Technik weiterzuentwickeln. Ich möchte diese Zeit anders einsetzen.

Die begrenzte Zeit für dieses Hobby investiere ich lieber in neue Anwendungen, eigene Erfahrungen und Inhalte für meine Leser als in den dauerhaften Betrieb einer Serverumgebung. Dazu gehört auch der Austausch rund um meine Artikel. Meine Rückkehr zu YouTube steht schließlich ebenfalls noch aus und wird zusätzliche Zeit benötigen.


📍 Wo dieser Blog seine Grenze zieht

Diese persönliche Grenze wirkt sich auch auf den Schwerpunkt von My Apps Unleashed aus. Selbsthosting kann in einem Artikel als Alternative vorkommen, wenn es für die Einordnung wichtig ist. Projekte wie Immich oder Nextcloud werde ich deshalb nicht ignorieren. Regelmäßige Anleitungen zu Docker, Heimservern, Reverse Proxies oder Firewall-Regeln sollen daraus aber nicht werden.

Schon die Suche nach europäischen Diensten oder Anwendungen mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung spricht eine kleinere Gruppe an als ein Artikel über Google Fotos, Microsoft 365 oder Apple Fotos. Viele Menschen nutzen zunächst die Anwendungen, die auf ihrem Smartphone vorhanden oder ohne zusätzliches Abonnement verfügbar sind. Solange diese zuverlässig funktionieren, besteht für sie kaum ein Grund, nach einer Alternative zu suchen.

Ein Wechsel zu einem kleineren, möglicherweise kostenpflichtigen Dienst ist bereits ein zusätzlicher Schritt. Selbsthosting geht noch weiter: Es verlangt eigene Hardware, technisches Wissen und die Bereitschaft, dauerhaft Verantwortung für den Betrieb zu übernehmen. Damit würde sich der Blog stärker an Leser richten, die nicht nur Anwendungen auswählen, sondern ihre eigene Infrastruktur betreiben möchten.

Ich werde weiterhin über die bekannten Apps und Dienste großer Technologiekonzerne schreiben. Sie gehören für viele Leser zum täglichen Leben und verdienen eine faire Einordnung, auch wenn ich sie selbst nicht oder nicht mehr verwende. Daneben bleiben europäische Anbieter, kleinere Entwickler und Ende-zu-Ende-verschlüsselte Dienste ein fester Bestandteil des Blogs.

Die Herkunft eines Dienstes ist für mich wichtig, entscheidet aber nicht allein darüber, ob er auf diesem Blog vorkommt. Ebenso wichtig sind seine Alltagstauglichkeit, seine Grenzen und die Frage, für wen er eine nachvollziehbare Wahl sein kann.

Der Schwerpunkt bleibt damit bei Anwendungen, die sich ohne eigene Serverinfrastruktur ausprobieren und nutzen lassen – von den bekannten Standarddiensten bis zu kleineren, verschlüsselten Alternativen.


Über den Autor

Hi! Ich bin Marcel. 🙂

Hauptberuflich arbeite ich als IT-Projektmanager und lebe aktuell in Hamburg. Neben dem Bloggen als Hobby reise ich gerne. Mittlerweile treibe ich wieder recht viel Sport (Ausdauer und Kraft).

Wenn ich mich entspannen will, gehe ich gerne in den Park. Ich schaue mir Filme auf YouTube und Streamingdiensten an, höre gerne Musik auf Apple Music und spiele parallel dazu Diablo 3. Wenn ich meine Lieblingsreiseregion Asien vermisse und das Fernweh überhand nimmt, bin ich gerne in deutschen Beach Bars im Asien-Style mit vielen Palmen. 🙂

Seit 2018 schreibe ich auf diesem Blog über meine Erfahrungen im IT-Bereich. Denn ich helfe gerne anderen Menschen.

Derzeit bin ich mit keinem Betriebssystem so richtig zufrieden und bevorzuge Software, die überall läuft. Am liebsten als Web-App mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.

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Hinweise: Bei den kursiv geschriebenen Wörtern kann es sich um eingetragene Marken oder Firmen handeln! Beispiele: Google, YouTube und Android. Alle Marken gehören ihren jeweiligen Eigentümern. Die Nutzung erfolgt ausschließlich zu Vergleichs- und Informationszwecken. Es kann sich aber auch um Fachbegriffe aus der IT-Welt handeln, die an diversen Stellen im Blog beschrieben werden.

Transparenz: Ich nutze KI-Tools (z.B. Proton Lumo und DeepL Write Pro), um Inhalte schneller zu erstellen und Sprache zu optimieren. Für einige Bilder nutze ich Envato Elements im Langzeitabound besitze somit die entsprechenden Medienlizenzen. Das gilt auch für die Erstellung von Logos und Designs mit Canva (inklusive KI-Funktionen), Affinity und GIMP sowie weiteren Open-Source-Tools.


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