Als ChromeOS-Fan habe ich lange verteidigt – warum ich Googles neue Richtung nicht mehr mitgehe
✍️ Intro

Es fühlt sich ungewohnt an, diesen Artikel zu schreiben.
Mein Blog war lange Zeit fast ausschließlich ein ChromeOS-Blog. Ich habe das System erklärt, verteidigt und auf meinem Blog gegen viele Vorurteile eingeordnet. Für manche war ich wahrscheinlich so etwas wie ein ruhiger Fürsprecher eines Betriebssystems, das oft unterschätzt wurde.
Ein Teil von mir mag ChromeOS noch immer. Als unauffälliges, leichtgewichtiges System, das einfach funktioniert, passt es in vielen Situationen erstaunlich gut in meinen Alltag. Es gibt kein großes Drama, keine überladene Oberfläche und keine permanente Wartung.
Wenn ich heute ältere Artikel auf meinem Blog lese, empfinde ich Stolz, aber auch Enttäuschung. Gleichzeitig spüre ich eine Unsicherheit, die ich lange nicht richtig benennen konnte.
Der Wechsel kam nicht plötzlich: macOS lief schon länger parallel. Linux (z.B. Mint) ebenfalls, zunächst nur gelegentlich testweise, im letzten Jahr aber zeitweise sogar als Hauptsystem. Ich wollte vergleichen, verstehen und technisch am Ball bleiben. ChromeOS war dabei oft das Gerät, das ich aufklappte, wenn ich unkompliziert arbeiten wollte.
Und trotzdem hat sich etwas verändert. Diese Veränderung war nicht nur technisch und strategisch, sondern wurde irgendwann auch emotional spürbar.
Dieser Text ist kein Abgesang auf ChromeOS. Er ist auch kein Versuch, jemanden von etwas abzubringen. Ich möchte dir offen erklären, warum ich als langjähriger ChromeOS-Fan Googles neue Richtung nicht mehr mitgehe und warum AluminiumOS für mich keine Lösung darstellt.
Vielleicht erkennst du dich in manchen Gedanken wieder. Vielleicht auch nicht. Aber ich halte es für fair, diesen Weg offen zu beschreiben.
🔎 Kurz & knapp
Ich habe ChromeOS viele Jahre genutzt und öffentlich verteidigt, denn ich fand die ursprüngliche Idee dahinter stimmig. Der Fokus lag auf Schnelligkeit, Sicherheit, Einfachheit und einer klaren Ausrichtung auf das Web. Erweiterungen wie Android-Apps und der Linux-Modus habe ich als sinnvolle Ergänzungen empfunden.
Mit der stärkeren Ausrichtung auf Android und der tiefen Integration von KI hat sich für mich jedoch etwas verändert. Nicht einzelne Funktionen waren ausschlaggebend, sondern die strategische Ausrichtung insgesamt.
Das von Google angekündigte AluminiumOS, das ChromeOS perspektivisch ablösen und stärker auf KI setzen soll, wirkt für mich deshalb nicht wie ein Neuanfang, sondern wie eine konsequente Fortsetzung dieser Entwicklung. Aus diesem Grund habe ich mich entschieden, meinen Schwerpunkt auf andere Systeme zu verlagern – eine bewusste Entscheidung, die ich nicht leichtfertig getroffen habe.
Diese Entscheidung ist persönlich. Sie ist kein allgemeines Urteil, sondern das Ergebnis meiner eigenen Überlegungen.

🚀 Die ursprüngliche Idee: schnell, sicher, einfach
Als ChromeOS auf den Markt kam, war die zugrunde liegende Idee eindeutig. Das System sollte schnell starten, sicher sein und möglichst wenig Pflege benötigen. Der Browser stand dabei im Zentrum. Web-Apps waren nicht nur eine Ergänzung, sondern der eigentliche Arbeitsbereich.
Für mich ergab das Sinn. Wenn immer mehr Anwendungen im Web liefen, wurde das Betriebssystem tatsächlich weniger wichtig. Ich mochte diesen Gedanken. Solange der Browser leistungsfähig war, konnte ich plattformübergreifend arbeiten. Ob ich ein Chromebook oder ein anderes Gerät nutzte, spielte eine untergeordnete Rolle.
Auch die Datensammlung im Zusammenhang mit Werbung konnte ich in diesem Rahmen akzeptieren. Mir war bewusst, dass Google die Daten dafür anonymisiert nutzt. Aber ich hatte das Gefühl, ein schlankes Tool zu verwenden, dessen Grundidee ich nachvollziehen konnte. Schnell, sicher, einfach. Das war im Alltag spürbar und kein leeres Versprechen.
🧩 Erweiterung statt Bruch: Linux und Android
Später kamen Android-Apps und der Linux-Modus (mein Artikel) hinzu. Das passte eigentlich nicht mehr ganz zur ursprünglichen Idee eines reinen Web-Systems. Ich empfand es jedoch nicht als Bruch, sondern als Erweiterung.
Plötzlich konnte ich als Power-User Anwendungen nutzen, die es im Web so nicht gab, zum Beispiel DoubleCommander (mein Artikel) oder GIMP im Linux-Modus. Oder bestimmte Android-Apps, die im Alltag hilfreich waren. Für mich fühlte sich das wie ein Zugewinn an. Das System blieb schlank, aber ich erhielt zusätzliche Möglichkeiten.
Gerade der Linux-Modus war mir wichtig. Er gab mir das Gefühl, nicht vollständig vom Browser abhängig zu sein. Ich konnte selbst entscheiden, welche Tools ich nutze. Diese Freiheit entsprach meiner Vorstellung von einem offenen System, bei dem das Web im Mittelpunkt steht.
Als später LaCrOS eingestellt wurde und Manifest V3 in Chrome verpflichtend wurde, änderte sich dieses Gefühl. Ich merkte, dass ich mein Chromebook immer häufiger im Linux-Modus nutzte und dort einen alternativen Browser wie Brave oder Firefox (mein Artikel) verwendete. Nicht aus Prinzip, sondern aus Pragmatismus.
An diesem Punkt stellte ich mir erstmals ernsthaft die Frage, ob sich nur mein Nutzungsverhalten verändert hatte – oder ob sich die Ausrichtung des Systems verschoben hatte.

🔄 Wenn sich die Richtung verschiebt
Mit der stärkeren Integration von KI begann für mich eine neue Phase. Nicht, weil ich KI grundsätzlich ablehne. Ich finde viele Entwicklungen spannend und nutze entsprechende Tools selbst.
Was sich verändert hat, war weniger die Technik als mein Gefühl für die Rolle des Systems. ChromeOS und auch Chrome waren für mich lange Zeit Tools, die ich bewusst eingesetzt habe. Durch die tiefere Integration von Gemini entsteht jedoch ein anderer Eindruck. Das System wird aktiver und enger mit anderen Google-Diensten verbunden.
Gleichzeitig wurde deutlich, dass sich ChromeOS technisch immer mehr an Android annähert. Für viele ist das ein logischer Schritt. Android ist weit verbreitet und bietet viele Möglichkeiten. Auch eine gleiche Code-Basis anzustreben ist zumindest strategisch und aus Kostensicht sinnvoll..

Für mich rückt damit jedoch die ursprüngliche Idee weiter in die Ferne. Aus einem klar auf das Web ausgerichteten System wird zunehmend ein noch tiefer integrierter Bestandteil eines größeren Ökosystems. Das muss nicht negativ sein. Aber es fühlt sich anders an als früher.
Früher hatte ich das Gefühl, ein schlankes Tool zu nutzen. Heute habe ich eher den Eindruck, Teil eines Gesamtpakets zu werden, das Google immer enger zusammenführt. Vorgeblich, um die Nutzung durch mehr Assistenz zu erleichtern. Dabei ist schon mehr als offensichtlich, dass es auch darum geht, uns noch besser kennenzulernen, um den Werbeumsatz zu erhöhen. Auch das veränderte technische und politische Umfeld der letzten Jahre trägt dazu bei, dass ich diese Entwicklung nicht mehr so gelassen sehe.
Es ist nicht ein einzelnes Detail, das mich stört. Es ist die Summe der Schritte.
🧱 AluminiumOS als konsequenter nächster Schritt
Vor diesem Hintergrund überrascht mich AluminiumOS nicht. Wenn sich ChromeOS technisch weiter an Android annähert und KI tief ins System integriert wird, dann ist ein neues, stärker KI-geprägtes Betriebssystem der nächste logische Schritt.
Ich sehe darin keinen Bruch, sondern eine Fortsetzung. Für viele wird das attraktiv sein. Ein System, das KI fest integriert, kann Abläufe vereinfachen und neue Möglichkeiten eröffnen.
Für mich verstärkt es jedoch genau die Richtung, mit der ich mich bei ChromeOS bereits schwergetan habe. Deshalb war für mich früh klar, dass AluminiumOS keine Lösung für mich darstellt. Nicht, weil es schlecht wäre, sondern weil es diesen Weg konsequent weitergeht, den ich innerlich nicht mehr mitgehen möchte

⚖️ Der Schritt weg – bewusst und mit Aufwand
Der Wechsel weg von ChromeOS war keine spontane Entscheidung: macOS und Linux (z.B. Mint) liefen schon länger parallel. Ich wollte die beiden Systeme vergleichen, um herauszufinden, mit welchem Betriebssystem ich im Alltag am besten zurechtkomme.
Trotzdem war es kein rein technischer Schritt. ChromeOS war über Jahre hinweg mein Hauptsystem und ein zentrales Thema auf meinem Blog. Ich habe es nicht nur genutzt, sondern auch öffentlich vertreten. Entsprechend ungewohnt war der Moment, in dem mir klar wurde, dass ich mein Chromebook immer seltener als Hauptgerät einsetzte.
macOS habe ich mit verschiedenen Tools so eingerichtet, dass es sich für mich stimmig anfühlt. Es ist ebenfalls stark in ein Ökosystem eingebunden, aber nicht alles gefällt mir dort besser. Aber im Moment habe ich das Gefühl, bestimmte Entscheidungen bewusster treffen zu können.
Linux (z.B. Mint) begleitet mich weiterhin. Anfangs nur testweise, später sogar zeitweise als Hauptsystem. Es gibt mir mehr technische Freiheit, verlangt aber auch mehr Eigeninitiative. Updates, Einstellungen und kleinere Probleme muss ich selbst im Blick behalten. Das ist nicht immer bequem, derzeit aber für mich akzeptabel.
Der Wechsel war deshalb kein Schritt in ein perfektes System. Vielmehr war es die Entscheidung, mit bestimmten Nachteilen zu leben, da diese besser zu meiner aktuellen Einstellung passen.
Und ja, es war auch eine Überwindung. Wenn man ein System lange verteidigt hat, fühlt es sich nicht selbstverständlich an, sich davon zu lösen. Aber es wäre für mich noch weniger stimmig gewesen, innerlich Abstand zu haben und äußerlich so weiterzumachen wie bisher.
🧭 Mein persönliches Fazit
Bei mir hat sich das Verhältnis verschoben. Und deshalb treffe ich heute eine andere Wahl.
Es ist mir wichtig, dir zu sagen: Das hier ist meine persönliche Entscheidung. Wenn du das anders siehst, ist das für mich voll ok. Ich wollte dir offen zeigen, wie ich zu meinem Schluss gekommen bin – nicht mehr und nicht weniger.
👉 Am Ende läuft es vielleicht auf eine einfache Frage hinaus: Passt die Richtung, die Google gerade geht, noch für dich – oder nicht mehr ganz?
Zusammenfassung
- Ich habe ChromeOS über viele Jahre genutzt und öffentlich verteidigt.
- Die ursprüngliche Idee – schnell, sicher, webzentriert – hat für mich lange überzeugt.
- Erweiterungen wie Android-Apps und Linux-Modus empfand ich zunächst als sinnvolle Ergänzung.
- Mit der stärkeren KI-Integration und engeren Verzahnung im Google-Ökosystem hat sich mein Eindruck jedoch verändert.
- Nicht einzelne Funktionen, sondern die strategische Richtung insgesamt führten zu innerer Distanz.
- AluminiumOS wirkt für mich daher nicht wie ein Neuanfang, sondern wie eine konsequente Fortsetzung.
- Mein Wechsel zu macOS und Linux (z.B. Mint) ist eine bewusste Entscheidung – mit akzeptierten Trade-offs, nicht aus Trotz oder Enttäuschung.
- Der Artikel lädt dazu ein, die eigene Haltung zur aktuellen Entwicklung von Google zu hinterfragen.
Über den Autor: Hi! Ich bin Marcel. Hauptberuflich arbeite ich als IT-Projektmanager und lebe aktuell in Hamburg. Neben dem Bloggen reise ich gerne. Wenn ich nicht zu faul bin, treibe ich Sport. Wenn ich mich entspannen will, schaue ich mir gerne Inhalte auf Netflix und YouTube an oder höre SoundCloud und spiele parallel dazu z.B. Diablo 3. 🙂

Ich habe diesen Blog im Jahr 2018 gestartet, um über meine Erfahrungen im IT-Bereich zu berichten. Denn ich helfe gerne anderen Menschen. Derzeit bin ich mit keinem Betriebssystem so richtig zufrieden und bevorzuge Software, die überall läuft. Am liebsten als Web-App mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.

⇨ Unterstütze den Blog und hilf mit! 😉
Hinweise: Bei den kursiv geschriebenen Wörtern kann es sich um eingetragene Marken oder Firmen handeln! Beispiele: Google, YouTube und Android. Alle Marken gehören ihren jeweiligen Eigentümern. Die Nutzung erfolgt ausschließlich zu Vergleichs- und Informationszwecken. Es kann sich aber auch um Fachbegriffe aus der IT-Welt handeln, die an diversen Stellen im Blog beschrieben werden.
Transparenz: Ich nutze KI-Tools wie DeepL Write Pro, LanguageTool Premium, Proton Lumo Plus und Le Chat Pro, um dir neuen Content schneller und komprimierter bereitstellen zu können und um Sprache und Grammatik zu verbessern. Für einige Bilder nutze ich den Inhalt von Envato Elements im Langzeitabonnement und besitze somit die entsprechenden Medienlizenzen. Das gilt auch für die Erstellung von Logos und Designs mit Canva und GIMP und weiteren Open-Source-Tools.
