My Apps unleashed DE

Ein Blog über Web-Apps, Cross-Platform-Software und bewusste Nutzung im Alltag.

📝 Warum ich heute weniger Guides schreibe

🧭 Eine Anleitung, die ich nie geschrieben habe

Vor ein paar Wochen wollte ich eigentlich eine Schritt-für-Schritt-Anleitung schreiben. Es ging um eine Standardaufgabe unter macOS, nichts Kompliziertes, aber etwas, das sich in einzelnen Schritten mit Screenshots gut darstellen ließ. Ich hatte die Struktur schon fast im Kopf: Erster Schritt, Screenshot, zweiter Schritt, nächstes Bild, fertig. Angefangen habe ich dann aber nicht, und der Grund war nicht mangelnde Zeit, sondern eine Frage, die mir durch den Kopf ging: Möchte das überhaupt noch jemand in einem Blog nachlesen?


🔄 Wenn sich das Umfeld verändert

Über die letzten Jahre habe ich eine ganze Reihe von Guides geschrieben, meistens für ChromeOS. Das war damals ein Nischensystem, für das es vergleichsweise wenig deutschsprachige Anleitungen gab. Wenn jemand wissen wollte, wie man eine bestimmte Funktion nutzt oder ein Problem löst, fand er eher englischsprachige Quellen – oder manchmal gar keine. In dieser Situation konnte ein einzelner Hobbyblogger mit einer verständlichen Anleitung eine echte Lücke füllen. Das hat eine Zeit lang gut funktioniert.

Mit dem Wechsel von ChromeOS zu einem breiteren Themengebiet hat sich das aber geändert. Heute schreibe ich meist über Cross-Platform-Software für Plattformen wie macOS, iOS, Android, Windows oder Linux, für die es bereits unzählige Anleitungen gibt. Große Tech-Blogs, Herstellerdokumentationen und Foren decken die meisten Standardfragen ab.

Bei einer Anleitung zum Einrichten einer bestimmten Funktion unter macOS konkurriere ich mit Seiten, die ein Redaktionsteam, eine bessere Sichtbarkeit und ein größeres Publikum haben. Als einzelner Hobbyblogger kann ich da nicht mithalten, und das war mir irgendwann klar.

Hinzu kommt etwas, das es in dieser Form vor einigen Jahren noch nicht gab. Wenn du heute wissen möchtest, wie man eine Aufgabe in einer Software löst, fragst du eher ChatGPT, Claude oder Gemini, als dass du einen Blog durchsuchst. Ich mache das oft selbst so.

Ich stoße aber auch fast täglich an die Grenzen dieser Werkzeuge. Sie halluzinieren, nutzen veraltete Informationen, mit denen sie trainiert wurden, und manchmal sind ihre Antworten schlicht falsch. In solchen Fällen suche ich dann doch wieder eine normale Webseite mit einer ausführlichen Anleitung.

Ich bin nicht jemand, der LLMs blind vertraut oder vom Hype mitgerissen wird. Wir sind meiner Meinung nach noch weit von echter KI entfernt. Viele Menschen gehen damit aber deutlich unbeschwerter um und akzeptieren die Antworten, ohne sie zu hinterfragen. Das muss ich akzeptieren, auch wenn ich das kritisch sehe.

🤖 Was ein LLM nicht kann

Das bedeutet aber nicht, dass Schritt-für-Schritt-Anleitungen völlig überflüssig geworden wären. Für komplexe Abläufe, ungewöhnliche Kombinationen von Tools oder Nischensysteme gibt es weiterhin Bedarf. Was sich für mich aber verändert hat, ist die Frage, welchen Beitrag ich als einzelner Blogger noch leisten kann, der nicht schon in dutzenden anderen Formaten vorhanden ist.

Die Antwort darauf betrifft nicht die Technik, sondern die Perspektive. Ein LLM kann erklären, wie man eine Funktion aktiviert oder wo man eine bestimmte Einstellung findet. Es kann aber nicht beschreiben, warum man eine Funktion nach dreiwöchiger Nutzung wieder deaktiviert hat, weil sie im Alltag nicht das gebracht hat, was man sich davon versprochen hatte. Es kann keine Erfahrung teilen, die es nicht selbst gemacht hat.

Zu diesen Erfahrungen gehören auch die Dinge, die schiefgelaufen sind: Werkzeuge, die nach kurzer Zeit wieder fallen gelassen wurden, oder Workflows, die sich im Alltag als unbrauchbar herausgestellt haben. Solche Erfahrungen kann nur ich beschreiben, weil ich sie selbst gemacht habe. Genau darin liegt der Unterschied zwischen einer generischen Anleitung und einer persönlichen Einordnung.

Da sehe ich meinen Platz. Beim Schreiben über eine Software geht es mir weniger darum, zu erklären, welche Knöpfe man drückt. Vielmehr geht es mir darum, einzordnen, warum ich sie überhaupt nutze, welche Erwartungen ich hatte, wo diese Erwartungen nicht eingetroffen sind und welche Entscheidung ich am Ende daraus gezogen habe.


🧩 Eine Entwicklung, die mit dem Blog schon länger läuft

Das trifft auch auf die Entwicklung dieses Blogs zu. My Apps Unleashed war früher ein ChromeOS-Blog, der sich mit Software beschäftigt hat, die auf diesem System läuft. Heute schreibe ich über plattformübergreifende Software und bewusste Nutzung im Alltag, ohne mich auf ein Betriebssystem festzulegen – auch wenn ich momentan hauptsächlich im Apple-Ökosystem unterwegs bin (siehe auch: [🍎 Warum ich heute überwiegend Apple nutze, obwohl ich das lange nicht geplant hatte„]).

Das war kein strategischer Neustart, sondern etwas, das sich aus meiner eigenen Nutzung ergeben hat. Je mehr Plattformen ich parallel genutzt habe, desto weniger ging es mir um die Frage, welches System das richtige ist, und desto mehr um die Frage, mit welchen Werkzeugen ich im Alltag gut arbeiten kann.

Auf der Über den Blog-Seite habe ich das schon angesprochen. Was dort eher als Rahmenbeschreibung steht, ist in der Praxis eine ziemlich konkrete Entscheidung darüber, worüber ich schreibe und worüber nicht. Ich schreibe lieber über die Trade-offs, die ich eingegangen bin, als jeden einzelnen Klick zu dokumentieren.

Wenn ich beispielsweise beschreibe, warum ich eine App wieder verlassen habe, interessiert den Leser nicht der Screenshot des Einstellungsmenüs, sondern woran ich gemerkt habe, dass die App nicht zu mir passt.


💡 Was das für diesen Blog bedeutet

Ganz ohne Anleitungen wird es trotzdem nicht gehen. Bei sehr speziellen Themen, für die es keine gute Quelle gibt, mache ich das weiterhin.

Manchmal entstehen Guides auch aus einem anderen Grund: Wenn Leserinnen und Leser in den Kommentaren mehr Detailinfos zu einer Software wünschen, die ich in einem Erfahrungsbericht erwähnt habe, dann gibt es den tiefergehenden Guide eben als Ergänzung zum Artikel. Der Ausgangspunkt ist dann aber nicht mehr die Anleitung selbst, sondern die Erfahrung, die dahintersteht.

Es geht also weniger um „Wie drücke ich welche Taste?“ und mehr um „Warum habe ich das so und nicht anders gemacht?“ LLMs erklären dir das Wie – in der Regel schneller und vollständiger, als ich es könnte. Das Warum kann nur jemand beschreiben, der es selbst erlebt hat.

Wenn ich mir diesen Artikel anschaue, fällt mir auf, dass er genau das ist, wovon ich hier schreibe: keine Anleitung, kein Screenshot, keine nummerierte Liste, sondern die Einordnung einer Veränderung, die sich über Jahre entwickelt hat. Dass es so lange gedauert hat, bis ich das so klar fassen konnte, liegt vermutlich daran, dass dieser Wandel nicht an einem bestimmten Tag kam, sondern sich langsam eingeschlichen hat.


Über den Autor

Hi! Ich bin Marcel. IT-Projektmanager aus Hamburg und Blogger seit 2018. Ich helfe anderen mit Erfahrungen zu Web-Apps und Cross-Platform-Software. Mehr über mich · Blog unterstützen

Hinweise: Bei den kursiv geschriebenen Wörtern kann es sich um eingetragene Marken oder Firmen handeln (z.B. Apple, Fedora, Google). Die Nutzung erfolgt ausschließlich zu Vergleichszwecken.

Transparenz: Ich nutze KI-Tools (z.B. Proton Lumo, DeepL Write Pro) zur schnelleren Inhaltserstellung und Optimierung. Für Bilder nutze ich Envato Elements und Tools wie Canva, Affinity und GIMP.


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