☁️ Warum ich nach sieben Monaten bei Filen geblieben bin
🟦 Intro

Es gab keinen einzelnen Moment, an dem ich beschlossen habe, meinen Cloud-Speicher zu wechseln. Kein Skandal, kein konkretes Ereignis, kein Datenleck. Es war eher ein leises Unbehagen, das sich über längere Zeit aufgebaut hat. Vielleicht kennst du das auch: Man arbeitet jahrelang mit einem Werkzeug, alles funktioniert, und trotzdem verändert sich irgendwann der Blick darauf.
Ich habe Google Drive lange gerne genutzt, besonders in meiner Chromebook-Zeit. Technisch war das überzeugend. iCloud war für einzelne Dinge bequem, einfach, weil sie unter macOS da war. OneDrive gehörte für mich eher beruflich zu Windows, wurde mit den Jahren besser, spielte privat aber nie eine große Rolle. Und trotzdem war ich mit Google Drive nie wirklich unzufrieden. Es ist komfortabel, schnell, stabil und plattformübergreifend verfügbar. Genau das macht solche Entscheidungen oft schwerer, als sie sein müssten.
Was mich ins Nachdenken gebracht hat, war kein akutes Problem, sondern eine Entwicklung, die ich lange beiseitegeschoben habe. Cloud-Speicher sind heute nicht mehr nur Orte, an denen Dateien liegen. Sie werden zu Plattformen, die mit KI-Integrationen wie Gemini in Google Drive anfangen, mit teils persönlichen Dateien zu arbeiten, sie zu deuten, einzuordnen und zu bewerten. Lange habe ich das als Fortschritt gesehen. Irgendwann habe ich gemerkt, dass mir diese Nähe zu meinen eigenen Daten zunehmend Unbehagen bereitet.
Ich habe also angefangen, mich umzusehen – nicht auf der Suche nach der perfekten Cloud, sondern nach einer Lösung, mit der ich ruhiger arbeiten kann. Proton Drive, das eigentlich Teil meines bevorzugten Ökosystems ist, konnte meine Anforderungen leider noch nicht erfüllen. Mit der Web-App des ansonsten sehr guten Tresorit war ich nicht zufrieden. So bin ich schließlich bei Filen gelandet. Zunächst eher als pragmatische Zwischenlösung. Sieben Monate später nutze ich den Dienst immer noch. Genau darum geht es in diesem Text.
🧭 1. Warum Cloud-Speicher heute mehr sind als nur Speicher
Früher war ein Cloud-Speicher für mich ein verlängerter Ablageort. Dateien lagen nicht mehr auf einer externen Festplatte oder einem NAS, sondern wurden zwischen Geräten synchronisiert. Das war bequem, oft erstaunlich zuverlässig und im täglichen Gebrauch kaum spürbar.
Heute sind Cloud-Dienste aktiver. Sie durchsuchen Inhalte, erkennen Zusammenhänge, schlagen Dinge vor und treffen Vorannahmen darüber, was wichtig sein könnte. Technisch ist das beeindruckend. Gleichzeitig verschiebt sich dadurch das Verhältnis zwischen dir und dem Dienst. Aus einem Werkzeug wird ein System mit eigener Logik.
Ich habe mir lange eingeredet, dass mich das nicht betrifft. Dass ich diese Funktionen ja nicht aktiv nutzen muss. Erst mit etwas Abstand wurde mir klar, dass diese Argumentation nur funktioniert, solange alles reibungslos läuft und man nicht genauer hinschaut. Spätestens da habe ich angefangen, mein eigenes Verhältnis zur Cloud zu hinterfragen.

🛠️ 2. Was mir im Nutzungsalltag wirklich wichtig ist
🔄 Verlässliche Synchronisation statt Feature-Versprechen
Der Wert eines Cloud-Speichers entscheidet sich für mich nicht auf einer Feature-Liste, sondern im Nutzungsalltag. Wenn du auf mehreren Geräten unterwegs bist, häufig unterbrichst und später wieder einsteigst, merkst du schnell, wie abhängig du von zuverlässiger Synchronisation bist.
Mein Alltag mit Geräten ist selten linear. Ich beginne etwas am Laptop, schaue zwischendurch auf dem Smartphone nach und arbeite später an einem anderen Rechner weiter. Eine Cloud muss diese Wechsel mittragen, ohne dass ich ständig prüfen oder eingreifen muss. Solange das funktioniert, denkt man nicht darüber nach. Erst wenn es hakt, merkt man, wie zentral dieser Punkt ist.
💾 Externe Datenträger als bewusste Entscheidung
Ein weiterer Aspekt, der mir mit der Zeit wichtiger geworden ist, sind externe Datenträger. Nicht als Sonderfall, sondern als bewusste Entscheidung. Ein Teil meiner Daten liegt lokal auf internen und externen SSDs und wird von dort aus synchronisiert.
Wenn ein Cloud-Dienst kurzzeitig nicht erreichbar ist, möchte ich trotzdem weiterarbeiten können. Die Cloud ist für mich eine zusätzliche „Abgleichschicht“, nicht der einzige Ort, an dem meine Daten existieren. Das war auch stets Teil der Vorbehalte gegenüber ChromeOS, als sich mein Blog hauptsächlich mit diesem Thema befasst hat.
✈️ Offline-Arbeit ohne Sonderstatus
Die Offline-Nutzung sollte keine Ausnahme sein. Dateien müssen sich auch ohne oder bei schlechter Internetverbindung öffnen und bearbeiten lassen. Je weniger Aufmerksamkeit die Infrastruktur verlangt, desto besser und ruhiger für uns als Nutzer funktioniert sie im Alltag – oder was meinst du?

⚖️ 3. Warum Google Drive, iCloud und OneDrive für mich nicht mehr passen
🪜 Keine Abrechnung, sondern eine Verschiebung der Prioritäten
Ich halte keinen dieser Dienste grundsätzlich für schlecht – technisch sind sie ausgereift und für viele Anwendungsfälle vollkommen ausreichend. Meine Zurückhaltung ihnen gegenüber ist keine moralische oder politische Entscheidung, sondern eine Frage der persönlichen Passung und meiner individuellen Bedürfnisse.
🤖 Google Drive: leistungsfähig, aber zu nah dran
Google Drive hat für mich lange sehr gut funktioniert. Ich sagte mir: Die neuen Funktionen muss ich ja nicht nutzen. Trotzdem wuchs mit der Zeit das Gefühl, dass meine Dateien Teil eines Systems wurden, das mehr will, als nur zu speichern – vor allem durch die KI-Integration. Die anonymisierte Werbung über AdSense war für mich noch eine akzeptable Grauzone. Doch damit wollte sich einfach keine Ruhe mehr einstellen.
🍎 iCloud: bequem, solange man sich anpasst
iCloud ist bequem – solange dein Nutzungsverhalten zu Apples Vorstellungen passt. Sobald du aber bewusst auf externe Datenträger ausweichst, weil Apple für mehr internen Speicherplatz horrende Preise verlangt, stößt du schnell an Grenzen. Ich habe versucht, mich damit zu arrangieren. Doch später merkte ich: Ich passe meine Nutzung dem Dienst an, nicht umgekehrt.
🪟 OneDrive: funktional, aber nie ganz verlässlich
OneDrive war und ist vor allem bei meiner Arbeit als Angestellter vorgegeben. Funktional, aber im täglichen Gebrauch immer wieder störanfällig. Auch hier habe ich lange versucht, kleine Ärgernisse aus dem Weg zu räumen oder abzuschwächen. Rückblickend waren es genau diese ärgerlichen Probleme, die mir gezeigt haben, wie abhängig mein Umgang mit Dateien von Verlässlichkeit ist.
🔍 Ein gemeinsames Muster
Was diese Dienste verbindet, ist weniger ein einzelnes Problem als ein Grundgefühl: Sie entwickeln eine eigene Dynamik. Für viele Nutzer ist das kein Problem. Ich für meinen Teil möchte diesen Weg nicht mehr mitgehen – und vielleicht geht es dir genauso.
🔁 4. Warum Proton Drive für mich nicht gereicht hat
Proton Drive war für mich die naheliegende Wahl. Ich schätze das Ökosystem und vertraue den Werten, die dahinterstehen. Auf dem Papier schien alles zu passen.
In der Praxis stellte ich jedoch fest, dass ich meine Anforderungen unbewusst herunterschraubte: Einschränkungen bei bestimmten Betriebssystemen, eine umständliche oder gar keine Einbindung externer Datenträger. Eine Weile redete ich mir ein, dass sich das schon fügen würde. Bis mir schließlich klar wurde: Ich prüfte nicht mehr, ob der Dienst zu mir passt, sondern wie sehr ich mich ihm anpassen müsste. Das war der Moment, in dem ich innerlich Abstand nahm.

📦 5. Filen als pragmatische Entscheidung
Plattformübergreifend – aber nicht perfekt
Filen war nie als langfristige Lösung gedacht. Eher als Übergangslösung, um mir das Ganze in Ruhe anzusehen. Ich hatte keine großen Erwartungen. Dass ich den Dienst sieben Monate später immer noch nutze, war nicht geplant. Es hat sich einfach so ergeben. Nicht, weil alles perfekt wäre, sondern weil er mir im Nutzungsalltag keinen Widerstand entgegengesetzt hat. Filen bietet Open-Source-Clients für alle Plattformen, während die Server-Infrastruktur proprietär bleibt. Aufgrund der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung akzeptiere ich diesen Kompromiss.
Ich nutze Filen auf macOS, Linux, im Browser sowie auf mobilen Geräten. Die Nutzung folgt überall derselben Logik. Dateien sind dort, wo ich sie erwarte, und verhalten sich so, wie ich es gewohnt bin. Für Windows gibt es ebenfalls einen Desktop-Client. Ich selbst nutze ihn nicht, habe aber beobachtet, dass er sich im Alltag vieler Nutzer reibungslos verwenden lässt. In der Praxis ist Filen somit kein Tool, das auf einzelne Plattformen beschränkt ist, sondern ein Dienst, der unterschiedliche Umgebungen gleichermaßen unterstützt.
Für mich ist es besonders wichtig, externe SSDs sauber einzubinden. Meine Daten liegen dort, wo sie sinnvoll sind, und nicht dort, wo der Dienst sie haben möchte. Ich arbeite online wie offline. Die Synchronisation läuft im Hintergrund. Ich kontrolliere nicht ständig. Und genau das sorgt für Ruhe.

⚠️ 6. Was nicht perfekt ist – und warum ich es akzeptiere
Filen ist spürbar langsamer als die großen Anbieter, vor allem bei größeren Dateien. Das fällt auf. Ich habe eine Weile gebraucht, um für mich einzuordnen, ob mich das stört. Letztendlich habe ich entschieden, dass mir Vorhersagbarkeit wichtiger ist als maximale Geschwindigkeit.
Vorhersagbarkeit im Sinne des Funktionsumfangs im Allgemeinen, wie z.B.: Es stehen weder Assistenten noch Analysefunktionen oder zusätzliche Logik zur Verfügung. Für manche ist das ein Nachteil. Für mich ist es jedoch Teil der Entscheidung.
🧘 7. Fazit: eine bewusste, keine perfekte Lösung
Mein Wechsel zu Filen war keine Abrechnung mit einzelnen Anbietern. Vielmehr war es der Versuch, ruhiger mit meinen Daten umzugehen. Die Cloud ist für mich eine Komfortschicht und nicht der einzige Ort, an dem meine Dateien existieren.
🤝 Eine Einladung zur eigenen Abwägung
Ob du mit Filen glücklich wirst, zeigt sich erst im Alltag, nicht auf dem Datenblatt. Wenn dir Kontrolle, Transparenz und ein eigener Umgang mit Daten wichtig sind, könnte es sich lohnen, den Dienst eine Zeit lang selbst auszuprobieren.
👉 Mach den Test.
Nicht als Commitment, sondern als Erfahrung.
Lege ein paar Ordner an, nutze Filen parallel zu deiner bisherigen Cloud und beobachte, wie sich das im Alltag anfühlt. Für mich passt es im Moment. Und das reicht mir.
Zusammenfassung
- Cloud-Speicher sind heute mehr als nur Ablageorte, sie sind Plattformen.
- Filen ist eine EU-basierte Alternative ohne KI-Integration und Plattformdruck, die den Fokus auf Datenschutz und Nutzerkontrolle legt.
- Starke Alltagstauglichkeit über macOS, Linux, Web und Mobile hinweg
- Spürbar langsamer als Google Drive, aber verlässlich
- Geeignet, wenn du bewusst entscheiden willst
Über den Autor: Hi! Ich bin Marcel. Hauptberuflich arbeite ich als IT-Projektmanager und lebe aktuell in Hamburg. Neben dem Bloggen reise ich gerne. Wenn ich nicht zu faul bin, treibe ich Sport. Wenn ich mich entspannen will, schaue ich mir gerne Inhalte auf Netflix und YouTube an oder höre SoundCloud und spiele parallel dazu z.B. Diablo 3. 🙂

Ich habe diesen Blog im Jahr 2018 gestartet, um über meine Erfahrungen im IT-Bereich zu berichten. Denn ich helfe gerne anderen Menschen. Derzeit bin ich mit keinem Betriebssystem so richtig zufrieden und bevorzuge Software, die überall läuft. Am liebsten als Web-App mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.

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