My Apps unleashed DE

Ein Blog über Web-Apps, Cross-Platform-Software und bewusste Nutzung im Alltag.

🐧 Warum ich mir neben Apple eine zweite Softwarewelt mit Fedora aufbaue

🌱 Warum Linux trotzdem nicht aus meinem Alltag verschwunden ist

Mein privater Alltag spielt sich inzwischen größtenteils im Apple-Ökosystem ab. Ich nutze ein MacBook, ein iPhone und ein iPad und habe derzeit keinen Grund, daran grundsätzlich etwas zu ändern. Trotzdem steht hier noch ein Lenovo IdeaPad von 2021, auf dem in den vergangenen Jahren erst Windows 10, später Windows 11 und schließlich Linux Mint in verschiedenen Konstellationen liefen. Anfang vergangenen Jahres war Linux Mint für einige Monate sogar mein Hauptbetriebssystem.

Dieses Notebook hätte ich inzwischen einfach zur Seite legen können. Stattdessen läuft darauf seit ungefähr drei Monaten Fedora Workstation mit GNOME. Der Grund dafür ist weniger eine neue Unzufriedenheit mit Apple als die Frage, wie viel von meinem digitalen Alltag eigentlich noch an dieses Ökosystem gebunden sein muss.

Mein Blog dreht sich heute vor allem um Cross-Platform-Apps, Webdienste und digitale Arbeitsweisen. Wenn ich darüber schreibe, möchte ich andere Betriebssysteme nicht nur gelegentlich starten, um zu sehen, ob eine Anwendung dort ebenfalls läuft. Als IT-Projektmanager und auch aus privatem Interesse möchte ich zumindest ein Stück weit mitbekommen, wie sich Linux heute im Alltag anfühlt und wo plattformübergreifende Software tatsächlich funktioniert.

Mit Fedora Workstation baue ich mir deshalb gerade eine zweite Softwarewelt neben Apple auf. Sie soll meinen Mac nicht ersetzen und auch kein möglichst konsequenter Ausstieg aus Big Tech werden. Mich interessiert vielmehr, wie weit ich mit den Anwendungen und Diensten komme, die ich ohnehin nutze – und an welchen Stellen das Betriebssystem, die Hardware oder die Software selbst diesem Gedanken noch Grenzen setzen.


🐧 Warum es diesmal nicht wieder Linux Mint wurde

Linux Mint wäre für diesen Rechner eigentlich die naheliegendste Wahl gewesen. Ich kenne die Distribution gut und hatte sie auf dem Lenovo IdeaPad zunächst parallel zu Windows und später einige Monate als Hauptbetriebssystem genutzt. Gerade diese längere Nutzung war für mich aber auch ein Grund, diesmal etwas anderes auszuprobieren.

Ein Punkt war, dass mir die Aktualität wichtig geworden ist. Linux Mint setzt bewusst auf eine eher konservative Basis, was für ein zuverlässiges Alltagssystem durchaus ein Vorteil sein kann. Für diesen Rechner suche ich inzwischen etwas anderes. Wenn ich schon eine Linux-Umgebung parallel zu meinem Apple-Alltag betreibe, möchte ich damit auch aktuelle Entwicklungen bei Kernel, Desktop und Software etwas näher verfolgen können.

Dann gab es noch ein paar Probleme mit meiner Hardware. Unter Linux Mint hatte ich mein Notebook zeitweise mit zwei mobilen USB-C-Monitoren genutzt, die direkt über das Notebook mit Strom versorgt werden. Zusammen mit dem eingebauten Display ergibt das ein Triple-Monitor-Setup, das grundsätzlich funktionierte, aber nicht in jeder Situation zuverlässig blieb. Wenn du schon mal mehrere Monitore an einem Notebook betrieben hast, weißt du, wie schnell da etwas nicht wie erwartet reagiert. Sobald ich den Laptop in einen sparsameren Leistungsmodus versetzte, schaltete sich einer der externen Monitore ab. Ein ähnliches Verhalten trat auf, wenn ich im Performance-Modus die Helligkeit des Notebook-Displays erhöhte.

Auch mein Sony WH-1000XM4 machte immer wieder Probleme. Während der Nutzung kam es zu kurzen Aussetzern und gelegentlich zu einem störenden Klopfen. Nichts davon machte Linux Mint für mich grundsätzlich unbrauchbar, aber gerade bei einem System, das ich freiwillig neben meinem eigentlichen Rechner nutzen möchte, summieren sich solche Kleinigkeiten schnell.

Deshalb wollte ich diesmal ausprobieren, ob eine Distribution mit aktuelleren Systemkomponenten besser zu diesem Notebook passt. Nicht weil Linux Mint plötzlich die falsche Wahl wäre, sondern weil sich der Zweck dieses Rechners verändert hat. Ich suche darauf heute weniger ein möglichst ruhiges Hauptbetriebssystem als eine aktuelle Linux-Umgebung, die ich regelmäßig nutzen, verändern und für meine Cross-Platform-Apps einsetzen kann.

🔵 Warum ich bei Fedora Workstation gelandet bin

Bei Fedora Workstation hat mich genau diese Mischung angesprochen. Die Distribution stellt neue Kernel-Versionen und andere Systemkomponenten vergleichsweise früh bereit, ohne deshalb für mich den Charakter eines normalen Desktop-Betriebssystems zu verlieren. Ich wollte kein System, bei dem die Beschäftigung mit der Distribution selbst zum eigentlichen Hobby wird. Gleichzeitig sollte es aktuell genug sein, damit ich nicht wieder an Problemen hängen bleibe, die mit neueren Komponenten möglicherweise längst gelöst sind.

Ich war mir anfangs nicht ganz sicher, ob die schnellere Aktualität auf diesem Rechner nicht auch schnellere Probleme bringt. Nach ungefähr drei Monaten ist zumindest bei meiner Hardware ein Unterschied sichtbar. Die beiden mobilen USB-C-Monitore kann ich mit Fedora Workstation bisher so verwenden, wie ich es ursprünglich erwartet hatte. Auch die Aussetzer und das Klopfen mit meinem Sony-Headset sind bislang nicht wieder aufgetreten. Ob dafür allein der neuere Kernel verantwortlich ist oder mehrere Komponenten zusammenspielen, kann ich nicht eindeutig sagen. Für mich ist erstmal wichtiger, dass dieselbe Hardware mit diesem Setup bisher besser funktioniert.

Bei der Desktop-Oberfläche habe ich mich bewusst für GNOME entschieden. Ich mag die vergleichsweise reduzierte Oberfläche und komme mit dem Bedienkonzept gut zurecht. Über die GNOME-Einstellungen und die sogenannten GNOME Extensions lässt sich durchaus einiges anpassen – das Dachmenü, Tastenkombinationen, das Aussehen der Oberfläche oder die Position des Docks. KDE Plasma geht da deutlich weiter und lässt sich fast vollständig umbauen, wirkt auf mich dadurch aber auch schnell überladen. Das ist keine Aussage darüber, welcher Desktop besser ist. Für diesen Rechner reicht mir die Anpassungstiefe von GNOME aus, und ich möchte lieber mit einer überschaubaren Ausgangsbasis beginnen, die ich nur dort verändere, wo mir im Alltag tatsächlich etwas fehlt.

Andere Distributionen wären ebenfalls infrage gekommen. Mit SUSE Linux verbinde ich beispielsweise einige meiner frühen Linux-Erfahrungen aus dem Studium vor mehr als 20 Jahren. Damals fand ich die vielen grafischen Werkzeuge zur Systemverwaltung beeindruckend, gleichzeitig ist mir das System als alles andere als besonders stabil in Erinnerung geblieben. Mir ist bewusst, dass diese Erfahrung kaum etwas über ein heutiges openSUSE aussagt. Trotzdem spielen solche alten Erfahrungen bei einer persönlichen Auswahl mit hinein, auch wenn sie sich nicht als objektives Argument verkaufen lassen.

Ich habe deshalb diesmal keine große Vergleichsrunde gestartet. Fedora Workstation passte zu dem, was ich ausprobieren wollte, GNOME gefällt mir als Desktop und die aktuelleren Systemkomponenten versprachen zumindest eine Chance, meine bisherigen Hardwareprobleme loszuwerden. Das war für mich genug, um die Distribution erst einmal über einen längeren Zeitraum im Alltag zu nutzen.

🧱 Warum ich bewusst bei Fedora Workstation geblieben bin

Neben Fedora Workstation gibt es mit den Atomic Desktops noch einen anderen Ansatz, der für meinen geplanten Linux-Rechner durchaus interessant klingt. Mit Fedora Silverblue gibt es beispielsweise eine Variante mit GNOME, bei der Anwendungen stärker vom eigentlichen System getrennt werden als bei einer klassischen Linux-Installation.

Für einen Rechner, der einfach möglichst zuverlässig funktionieren soll, kann ich diesem Konzept einiges abgewinnen. Für mein Lenovo suche ich aber gerade nicht nur ein System, auf dem ich meine Anwendungen starte. Ich möchte Linux auch deshalb weiter nutzen, weil ich gelegentlich am System selbst etwas verändern, neue Dinge ausprobieren und verstehen möchte, was dabei passiert.

Das hat sicher mit meiner Vergangenheit als Softwareentwickler zu tun. Auch wenn ich heute als IT-Projektmanager arbeite, ist der Spieltrieb nicht vollständig verschwunden. Wenn ich ein Betriebssystem bewusst als zweite Umgebung nutze, möchte ich nicht bei jeder Änderung überlegen müssen, ob sie zum vorgesehenen Konzept des Systems passt oder einen zusätzlichen Weg erfordert.

Deshalb habe ich Silverblue für diesen Versuch gar nicht erst installiert. Bei Silverblue ist das Basissystem unveränderlich, Anwendungen sollen primär als Flatpak installiert werden, und auch Systempakete lassen sich nur über einen Umweg namens rpm-ostree hinzufügen, der danach einen Neustart erfordert. Fedora Workstation nutzt stattdessen das klassische Paketmanagement mit DNF und RPM – ich kann Software installieren, verändern und entfernen, ohne über das Konzept des Systems nachdenken zu müssen.

Anwendungen kann ich dort trotzdem als Flatpak installieren, wenn das für das jeweilige Programm sinnvoll ist. Diese Mischung passt im Moment besser zu dem, was ich mit dem Rechner vorhabe.

⚠️ Aktuellere Software löst nicht jedes Problem

Die Entscheidung für Fedora Workstation hat allerdings bereits einen Trade-off gezeigt. In den ungefähr drei Monaten, in denen ich das System jetzt nutze, sind zwei Systemupdates fehlgeschlagen. In beiden Fällen kam ich anschließend nicht mehr bis auf den normalen Desktop. Beide Male saß ich danach vor einem schwarzen Bildschirm statt vor meiner gewohnten Arbeitsumgebung.

Bei meinen letzten Versionen von Linux Mint hatte ich solche Probleme nicht. Dort störten mich zwar die beschriebenen Eigenheiten mit meinen Monitoren und dem Headset, das System selbst startete aber zuverlässig. Bei Fedora ist es bisher fast umgekehrt: Meine Hardware funktioniert besser, dafür hatte ich bereits zweimal Probleme nach einem Update.

Zum Glück bedeutete das in beiden Fällen nicht, dass ich das komplette System neu aufsetzen musste. Beim Start konnte ich auf einen vorherigen funktionierenden Stand zurückgreifen und von dort aus weitermachen. Trotzdem möchte ich solche Situationen nicht kleinreden. Wenn ein Update dazu führt, dass der Desktop nicht mehr startet, ist das auch dann lästig, wenn sich das Problem vergleichsweise schnell umgehen lässt.

Hier zeigt sich für mich ziemlich früh die andere Seite der Aktualität, die ich bei Linux Mint vermisst hatte. Neuere Kernel und Softwarepakete können bei aktueller oder ungewöhnlicher Hardware einen echten Unterschied machen. Gleichzeitig hat ein konservativeres System seinen Grund, wenn es über Monate einfach seinen Dienst verrichtet.

Für meinen jetzigen Zweck kann ich mit diesem Tausch bisher leben. Das Lenovo ist nicht mein einziger Rechner und ich bin nicht darauf angewiesen, dass es jeden Morgen zuverlässig startet. Wäre Fedora Workstation mein einziges privates Betriebssystem, würde ich zwei solche Vorfälle innerhalb von drei Monaten wahrscheinlich anders bewerten.

🔀 Was auf Fedora von meiner Softwarewelt übrig bleibt

Spannender als die Distribution selbst ist für mich inzwischen die Frage, was passiert, wenn ich auf dem Lenovo dieselben Anwendungen und Dienste nutzen möchte wie auf meinen anderen Geräten. Genau dafür wollte ich diese zweite Umgebung schließlich haben.

Bei einigen Anwendungen ist der Unterschied erstaunlich klein. Firefox funktioniert ohnehin auf meinen verschiedenen Systemen. Meine E-Mails liegen bei Proton Mail, Passwörter verwalte ich mit Proton Pass und für Notizen nutze ich Standard Notes. Bei solchen Anwendungen spielt es für meinen Alltag kaum eine Rolle, ob davor ein Mac oder ein Linux-Notebook steht.

Beim Office-Thema habe ich ebenfalls mehrere Möglichkeiten. SoftMaker Office Home NX läuft unter Linux, daneben kann ich LibreOffice verwenden. Bei längeren Dokumenten oder Tabellen brauche ich Funktionen, die mir vertraut sind – wie Filter, Zwischensummen oder die schnelle Summenbildung markierter Zellen. Bei mir betrifft das beispielsweise eine private Vermögensübersicht oder meine monatlichen Fixkosten. Eigentlich würde ich für solche Dokumente gerne stärker auf Proton Docs und Proton Sheets setzen. Dafür sind beide Anwendungen für meine Anforderungen derzeit aber noch nicht weit genug. Nur weil ein Dienst grundsätzlich in meine gewünschte Richtung passt, möchte ich meine Arbeitsweise nicht um eine Software herum bauen, die mir wichtige Funktionen noch nicht bietet.

Deutlicher wird die Grenze beim Cloudspeicher. Proton Drive würde gut zu dieser Umgebung passen, bietet für Linux derzeit aber nicht die Desktop-Lösung, die ich mir dafür wünsche. Technische Umwege wären möglich, aber vielleicht kennst du das: Gerade bei Dingen, die im Hintergrund einfach laufen sollen, will man sich nicht mit Workarounds beschäftigen. Zwischenzeitlich hatte ich Filen im Einsatz, dessen Sync-App unter Linux technisch ohne Probleme funktionierte. Ohne ein externes Audit der Verschlüsselung bleibt bei mir dabei aber ein ungutes Gefühl, sodass ich diese Lösung momentan nicht mehr einsetze.

Parallel teste ich deshalb weiterhin iCloud mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung über einen längeren Zeitraum. Wenn Proton Drive für meine Geräte weit genug ist, würde ich diesen Bereich langfristig gerne vollständig dorthin verlagern.

Gerade an dieser Stelle merke ich, dass Cross-Platform für mich inzwischen mehr bedeutet als eine Liste unterstützter Betriebssysteme. Eine Anwendung kann auf mehreren Plattformen verfügbar sein und trotzdem unterschiedlich gut in den jeweiligen Alltag passen. Umgekehrt können Webdienste einen Plattformwechsel sehr einfach machen, solange die entscheidenden Funktionen tatsächlich überall vorhanden sind.

Auch bei der Videobearbeitung würde ich nicht erwarten, meinen Mac einfach nachzubauen. DaVinci Resolve gibt es professionell für Linux, die konkrete Linux-Umgebung spielt dabei aber eine größere Rolle als bei einem Browser oder einer Notizen-App. Gleichzeitig gebe ich auf dem Mac gerade Final Cut Pro eine neue Chance, das ich bereits vor Jahren gekauft habe. Meine Fedora-Umgebung muss diesen Workflow nicht ersetzen, um für mich nützlich zu sein.


🌐 Eine Parallelwelt muss kein vollständiger Ersatz sein

Damit hat das Lenovo für mich inzwischen eine andere Aufgabe als während meiner Zeit mit Linux Mint als Hauptbetriebssystem. Ich versuche nicht, möglichst viel von meinem Apple-Alltag nach Linux zu kopieren. Stattdessen möchte ich herausfinden, welche Teile meiner Software und meiner Daten schon heute unabhängig genug sind, um auf beiden Seiten zu funktionieren.

Das klappt bei Browser, Mail, Passwörtern und Notizen bereits ziemlich unspektakulär. Bei Office-Anwendungen habe ich funktionierende Lösungen, auch wenn meine Wunschlösung noch nicht dabei ist. Beim Cloudspeicher fehlt dagegen ausgerechnet bei einem Dienst, den ich langfristig gerne stärker nutzen würde, noch ein wichtiges Stück.

Diese Unterschiede sind für meinen Blog mindestens genauso interessant wie Fedora Workstation selbst. Wenn du dich für Cross-Platform interessierst, geht es am Ende weniger um die Frage, welche App wo läuft. Ich möchte erleben, ob meine gewohnten Daten und Arbeitsweisen mitkommen und welche Kompromisse dabei im Alltag entstehen.

Mein Lenovo steht deshalb inzwischen wieder regelmäßig neben den Apple-Geräten und hat eine Aufgabe, die es vorher so nicht hatte. Es soll weder beweisen, dass Linux das bessere Betriebssystem ist, noch dass ich ohne Apple auskommen könnte. Es gibt mir eine zweite Umgebung, in der ich ausprobieren kann, wie plattformübergreifend meine Softwarewelt inzwischen wirklich geworden ist. Genau an den Stellen, an denen das noch nicht funktioniert, entstehen wahrscheinlich die interessanteren Fragen für die nächsten Artikel.


Über den Autor

Hi! Ich bin Marcel. IT-Projektmanager aus Hamburg und Blogger seit 2018. Ich helfe anderen mit Erfahrungen zu Web-Apps und Cross-Platform-Software. Mehr über mich · Blog unterstützen

Hinweise: Bei den kursiv geschriebenen Wörtern kann es sich um eingetragene Marken oder Firmen handeln (z.B. Apple, Fedora, Google). Die Nutzung erfolgt ausschließlich zu Vergleichszwecken.

Transparenz: Ich nutze KI-Tools (z.B. Proton Lumo, DeepL Write Pro) zur schnelleren Inhaltserstellung und Optimierung. Für Bilder nutze ich Envato Elements und Tools wie Canva, Affinity und GIMP.


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