🧭 Websuche ohne Big Tech: Warum ich trotz klarer Haltung keinen sauberen Weg finde
🧭 Zwischen Haltung und Alltag

In den letzten Monaten habe ich hier im Blog Schritt für Schritt beschrieben, wie ich mich von US-amerikanischen Cloud-Diensten löse. Das war keine spontane Entscheidung, sondern hat sich für mich aus der täglichen Nutzung heraus entwickelt.
Für alle, die neu dabei sind: Die zunehmende und oft ungefragte Integration von KI-Funktionen hat meinen Blick auf Datennutzung spürbar verändert.
Für viele Dienste habe ich inzwischen Lösungen gefunden, die für mich gut funktionieren. Beim Thema Websuche merke ich gerade, dass es nicht so einfach ist. Vielleicht kennst du genau diesen Punkt, an dem sich eine klare Entscheidung im Alltag plötzlich nicht mehr so eindeutig anfühlt.
Ich merke, dass ich hier zwischen zwei Polen stehe, die sich im Alltag nicht sauber auflösen lassen:
- Auf der einen Seite steht mein Wunsch, möglichst unabhängig von US-Anbietern zu werden
- Auf der anderen Seite steht mein Anspruch an brauchbare, verlässliche Suchergebnisse im Alltag
- Dazwischen liegt die Frage, wie viel Kompromiss ich bereit bin einzugehen
Ein Punkt wird dabei schnell konkret: Ich nutze aktuell Brave Search. Technisch passt das für mich sehr gut, gleichzeitig fühlt es sich nicht konsequent an, an genau dieser Stelle wieder bei einer US-Lösung zu landen.
Genau aus diesem Zwiespalt heraus schreibe ich diesen Artikel. Ich möchte dir nicht alle verfügbaren Suchmaschinen gegenüberstellen, sondern zeigen, wie ich aktuell damit umgehe, welche Wege ich für mich geprüft habe und warum ich an einem Punkt angekommen bin, an dem es keine wirklich saubere Lösung gibt.
🔍 Was ich heute von einer Websuche erwarte
Bevor ich mir konkrete Dienste anschaue, musste ich für mich klären, was ich eigentlich von einer Websuche erwarte. Früher war das für mich noch deutlich einfacher. Die Ergebnisse mussten gut sein, der Rest war zweitrangig.
Heute ist das etwas anders, weil sich mein Blick auf digitale Dienste verändert hat. Es geht mir nicht mehr nur darum, ob etwas funktioniert, sondern auch darum, unter welchen Bedingungen es das tut.
Für mich sind dabei drei Punkte entscheidend:
– möglichst unabhängig von US-Anbietern sein
– keine oder zumindest klar kontrollierbare Werbung sehen
– nachvollziehen können, wie mit meinen Daten umgegangen wird
Ein Punkt bleibt für mich dabei unverändert: Die Suchqualität muss im Alltag funktionieren. Ich habe kein Interesse daran, mir jede Information mühsam zusammenzusuchen, nur um konsequent zu sein.
Genau hier zeigt sich für mich, dass sich diese Anforderungen nicht wirklich zusammenbringen lassen.
🧭 Warum ich aktuell bei Brave Search lande

Ich nutze aktuell Brave Search als meine Standard-Websuche.
Im Moment ist das für mich der kleinste Kompromiss.
Für mich spielen dabei ein paar Dinge eine Rolle:
– ein eigener Suchindex, der nicht direkt von großen Anbietern abhängt
– Suchergebnisse, die nah an dem sind, was ich über Jahre gewohnt war
– eine Nutzung, die sich ohne Reibung in meinen Alltag einfügt
Von außen wirkt das wie eine klare Entscheidung, für mich fühlt es sich anders an.
Technisch passt Brave Search sehr gut zu dem, was ich mir wünsche. Zu meiner eigentlichen Zielrichtung passt es nicht.
Ich habe gemerkt, dass eine gute Lösung im Alltag nicht automatisch zu meiner Haltung passt. Deshalb habe ich mich entschieden, Brave Search vorerst weiter zu nutzen, auch wenn es sich nicht vollständig stimmig anfühlt.
🇪🇺 Welche europäischen Alternativen ich ernsthaft geprüft habe
Ich habe mich auf die Dienste konzentriert, die für mich realistisch infrage kommen. Es ging mir nicht darum, alle Alternativen zu testen, sondern nach ersten zufriedenstellenden Ergebnissen auch einfach bei Brave Search zu bleiben.
Bei Swisscows gefällt mir, dass sie mit einem eigenen Index arbeiten. Im Alltag merke ich aber schnell, dass der fest integrierte Familienfilter sich einfach falsch anfühlt. Selbst bei normalen Suchanfragen fehlen mir Ergebnisse oder wirken anders gewichtet. Das passt für mich im Alltag nicht, auch wenn ich den Dienst grundsätzlich gut finde.
Qwant und Ecosia gehen mit ihrer gemeinsamen Initiative einen Weg, den ich klar unterstütze. [Ecosia: Wir bauen mit Qwant einen europäischen Suchindex] In der aktuellen Umsetzung kommt Bing aber weiterhin stark zum Einsatz, inklusive Werbung. Für mich fühlt es sich nicht wie ein echter Schritt raus aus der Abhängigkeit an.
Bei Startpage ist der Ansatz noch klarer: Es bleibt ein Proxy für die Google-Suche. Technisch kann das sinnvoll sein, für mich löst es aber nicht das eigentliche Problem. Für mich verschiebt sich die Abhängigkeit damit nur, sie löst sich aber nicht.
Weitere Dienste wie DuckDuckGo oder Kagi habe ich mir nicht im Detail angeschaut, weil es ebenfalls US-Dienste sind und mein grundlegender Zwiespalt dadurch nicht verschwinden würde.
⚖️ Wo der Zwiespalt konkret entsteht

Wenn ich mir das im Alltag anschaue, wird für mich schnell klar, warum ich hier nicht zu einer sauberen Lösung komme.
Ich stehe zwischen zwei Anforderungen, die sich nicht zusammenbringen lassen.
– Ich will mich von US-Anbietern unabhängiger machen
– Ich brauche eine Websuche, die im Alltag ohne Umwege funktioniert
– Die aktuellen Alternativen erfüllen für mich immer nur einen Teil davon
Vielleicht kennst du genau dieses Gefühl, dass sich jede Option an einer anderen Stelle wieder nicht richtig anfühlt.
Dadurch passt jede Entscheidung an einer anderen Stelle nicht mehr. Entweder gebe ich bei der Qualität nach, oder ich gehe einen Kompromiss ein, der sich nicht stimmig anfühlt.
Mit der Zeit habe ich verstanden, dass es hier nicht um die „beste“ Suchmaschine geht. Für mich geht es darum, an welchem Punkt ich sage: Damit kann ich im Alltag leben.
💳 Meine Grenze: Wann ich bereit wäre zu zahlen
Beim Testen alternativer Dienste ist mir ein Punkt klar geworden: Ich bin bereit, für eine gute Lösung zu bezahlen, aber nicht mit meinen Daten.
Für mich knüpft das an ein paar klare Bedingungen:
- ein eigener europäischer Suchindex
- keine Werbung im Ergebnisbereich
- ein nachvollziehbarer Umgang mit meinen Daten
Wenn diese Bedingungen erfüllt sind, bin ich mit mir im Reinen.
Bei Brave Search merke ich diesen Widerspruch ganz konkret. Ich nutze den Dienst kostenlos und bin technisch zufrieden. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, Teil eines Modells zu sein, das ich eigentlich hinter mir lassen wollte.
🧪 Wie ich aktuell damit umgehe

Die Einstellungen von Brave Search | Bild: My Apps unleashed DE
Im Moment habe ich einen pragmatischen Weg gefunden. Er ist nicht perfekt, funktioniert aber im Alltag.
Im Alltag bedeutet das für mich:
- Ich nutze Brave Search als Standard für meine tägliche Websuche
- Ich schränke sie über die Einstellungen stark ein (keine KI, anonyme Nutzungsstatistiken etc.)
- Ich beobachte die Entwicklung europäischer Alternativen
- Ich halte mir die Möglichkeit offen, zu wechseln
Für mich ist das keine endgültige Lösung. Sie ist für mich ein Zwischenstand, kein Ziel.
🧭 Einordnung
Für dieses Thema habe ich lange nach einer klaren Lösung gesucht. Inzwischen ist mir klar, dass es diese saubere Lösung aktuell nicht gibt.
Für mich heißt das, eine Entscheidung zu treffen, die im Alltag funktioniert, auch wenn sie nicht vollständig zu meiner Haltung passt. Gleichzeitig behalte ich im Blick, wohin ich mich eigentlich entwickeln möchte.
Für mich ist das im Moment der realistischere Umgang mit dem Thema Websuche. Keine perfekte Lösung, sondern eine bewusste Zwischenposition.
Für mich bleibt deshalb weniger die Frage, welche Suchmaschine die richtige ist, sondern eher: An welcher Stelle bist du bereit, deinen eigenen Kompromiss zu machen?
🧾 TL;DR
Ich wollte meine Websuche konsequent von US-Anbietern lösen und habe gemerkt, dass es dafür aktuell keine saubere Lösung gibt. Deshalb nutze ich vorerst Brave Search, obwohl es nicht vollständig zu meiner Haltung passt. Entscheidend ist für mich inzwischen weniger die perfekte Lösung, sondern die Frage, mit welchem Kompromiss ich im Alltag leben kann.
Über den Autor: Hi! Ich bin Marcel. Hauptberuflich arbeite ich als IT-Projektmanager und lebe aktuell in Hamburg. Neben dem Bloggen reise ich gerne. Wenn ich nicht zu faul bin, treibe ich Sport. Wenn ich mich entspannen will, schaue ich mir gerne Inhalte auf Netflix und YouTube an oder höre SoundCloud und spiele parallel dazu z.B. Diablo 3. 🙂

Ich habe diesen Blog im Jahr 2018 gestartet, um über meine Erfahrungen im IT-Bereich zu berichten. Denn ich helfe gerne anderen Menschen. Derzeit bin ich mit keinem Betriebssystem so richtig zufrieden und bevorzuge Software, die überall läuft. Am liebsten als Web-App mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.

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